Nachgefragt... Beim Preisträgers des Lehrpreises 2015 Prof. Dr. Thorsten Halle

Das Gespräch führte Alexander Hönsch

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg verleiht seit 2013 gemeinsam mit dem Studierendenrat jährlich den Otto-von-Guericke-Lehrpreis und berücksichtigt damit die verschiedenen Aspekte und den Facettenreichtum der Lehre. Ausgezeichnet werden besonders herausragende Konzepte und Angebote von Lehrenden oder Lehrteams. Im Jahr 2015 ging der Lehrpreis an Herrn Prof. Dr.-Ing. habil. Thorsten Halle. Warum erfahren Sie im folgenden Interview. 

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Halle, Sie sind der Preisträger des von der Universität und dem Studierendenrat ausgelobten Preis der Lehre 2015. Der Schwerpunkt des Preises lag bei der besonderen persönlichen Betreuung der Studierenden. Können Sie zunächst kurz sagen, was Sie an der Universität lehren und forschen?

Ich bin seit 2013 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und bin Inhaber des Lehrstuhls für Metallische Werkstoffe. Dementsprechend beschäftige ich mich mit der Anwendung, Modifikation und Entwicklung für praktische Anwendungen, hauptsächlich Stähle, Aluminiumlegierungen und anderer metallischer Werkstoffe.

Sie sind im Bereich des Maschinenbaus angesiedelt. Dabei haben Sie oftmals sehr volle und große Hörsäle vor denen Sie lesen. Wie bewerkstelligen Sie solche Vorlesungsformate und vor allem wie schaffen Sie es, die Aufmerksamkeit der Studierenden zu gewinnen?

Die Vorlesungen sind insbesondere in den Grundlagenfächern sehr gut gefüllt. Darauf muss Rücksicht genommen werden. Indem ich beispielsweise die Aufmerksamkeit der Studierenden stets versuche wieder einzufangen. Dies gelingt mir vor allem durch praktische Beispiele. Aber auch in den Übungen empfiehlt es sich, kleinere Experimente einzubeziehen, um dort Effekte und Mechanismen zu zeigen. Den Studierenden wird somit gleich von Anfang an mitgegeben, warum dieses Thema wichtig ist für die Anwendung von metallischen Werkstoffen.

Neben Ihren Tätigkeiten in der Lehre betreuen Sie auch wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Für Ihre sehr gute persönliche Betreuung wurden Sie ausgezeichnet. Inwieweit sehen Sie sich als Vorbild für gute Lehr- und Lernbedingungen in der Lehre und in der Betreuung von wissenschaftlichen Arbeiten?

Mir persönlich ist es sehr wichtig, insbesondere für eine Abschlussarbeit im Studium, dass diese gut und intensiv betreut wird. Das ist durchaus Aufwand, der aber auch erbracht werden muss. Für mich habe ich da einen persönlichen Fahrplan festgelegt: regelmäßige Konsultationen, um mit den Studierenden möglichst früh den Ablauf abzustimmen und sie entsprechend beraten, aber auch um zu klären, ob die Arbeit bei uns an der Universität oder, was häufiger vorkommt, in Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen durchgeführt wird. Ich kann mir da Zeiträume von alle 2-3 Wochen vorstellen, um über den Fortgang der Arbeit zu sprechen, die eigenen Vorstellungen und die des Unternehmens mit einzubringen. Natürlich sind diese Präsenzkonsultationen auch zeitgemäß. Wenn jemand beispielsweise am Bodensee seine Arbeit macht, dass der nicht hier her fahren muss, sondern, dass wir über Skype oder ähnliches eine Konsultation durchführen können. Die Konsultationen sind auch wichtig, um rechtzeitig gegenzusteuern, wenn die Arbeit zum Beispiel droht, in die falsche Richtung zu gehen oder der Studierende sich z.B. beim experimentellen Aufwand für seine Arbeit übernimmt.

Der Preis wurde mit 5.000 Euro dotiert. Haben Sie schon Verwendung für das Preisgeld gefunden bzw. haben Sie schon eine Idee wofür sie es verwenden möchten?

Wir haben das Preisgeld verwendet für eine Überarbeitung des Grundlagenpraktikums. Hier haben wir neue Prüfaufbauten und Geräte angeschafft, damit die Studierenden in der praktischen Übung oder in den praktischen Seminaren bessere Lernbedingungen haben. Ich persönlich bin der Meinung, dass was ich selber gemacht habe oder mit den Händen angefasst habe, das kann ich mir sehr viel besser merken.

Wie möchten Sie sich zukünftig für einen Austausch über die Verbesserung von Lehr- und Lernbedingungen einsetzen? War dies auch Anlass, das Amt des Studiendekans an der Fakultät zu übernehmen?

Natürlich spielt es da auch eine Rolle, da ich ja auch ein persönliches Interesse daran habe, dass ich das Amt des Studiendekans angenommen habe. Für mich ist es da sehr wichtig, die qualitativ hochwertige Lehre und die berufsqualifizierende Ausbildung mit praktischen Kompetenzen in den Kernfächern zu verknüpfen und so den Studierenden auf dem Weg in die berufliche Zukunft weiterzuhelfen.

Haben Sie konkrete Forderungen an eine Qualitätssicherung im Bereich Studium und Lehre, die von den Studierenden und von den Lehrenden erfüllt werden sollten?

Bei den Studierenden ist es relativ einfach: Feedback. Das ist essentiell, um Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen. Dies sollte auch ohne Angst vor den Lehrenden vorgetragen werden können. Dies gelingt zum Beispiel durch Evaluationsbögen. Auf diese Rückmeldungen sind die Lehrenden angewiesen.

Bei den Lehrenden ist es wichtig, dass sie die in den meisten Fällen konstruktive Kritik ihrer Studierenden ernst nehmen. Das bedeutet auch, dass sie die Auswertungen der Evaluationsbögen aufmerksam lesen und für sich herausarbeiten, wo sie etwas verbessern können. Die Studierenden sind da meist sehr konkret mit der vorgebrachten Kritik. Für mich persönlich kann ich da immer sehr gute Rückschlüsse ziehen, wo ich mich verbessern kann. Also Feedback und annehmendes Feedback.

 

Kontakt
Fakultät für Maschinenbau
Prof. Dr. Thorsten Halle

thorsten.halle@ovgu.de                    0391- 67 54580

 

Letzte Änderung: 30.07.2018 - Ansprechpartner: M.A. Anni Holzäpfel (vormals Fischer)