Fakultät für Maschinenbau

TripleM: Magdeburger Mathematik- und Maschinen-Camp

Konzept zur Verbesserung der Studieneingangsphase in den Bachelor-Studiengängen Maschinenbau und Wirtschaftsingenieur Maschinenbau an der FMB

Die Bachelorstudienrichtungen der Fakultät Maschinenbau (FMB) (Maschinenbau, Wirtschaftsingenieur Maschinenbau) sind technisch-naturwissenschaftliche Grundstudien. Im Studium der angehenden Wirtschaftsingenieure werden darüber hinaus fundierte wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse vermittelt. Ziele des universitären Bachelorstudiums sind neben dem vorrangigen Erwerb eines fundierten ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenverständnisses die Herausbildung von Abstraktionsvermögen, das selbstständige Erkennen von Problemen und Finden von Lösungswegen, das Erkennen der Interdisziplinarität des Fachbereiches, die ganzheitliche Betrachtung von technischen - beim Wirtschaftsingenieur auch von organisatorischen und betriebswirtschaftlichen - Zusammenhängen, basierend auf methodisch grundlagenorientierten Analysen sowie die Befähigung zu lebenslangem Lernen. 

Die in der Fakultät für Maschinenbau immatrikulierten Studierenden der Bachelor-Studiengänge der letzten Jahrgänge zeigen leider eine starke Rückläufigkeit des allgemeinen technischen und mathematischen Verständnisses bis hin zum Fehlen grundlegender mathematischer Voraussetzungen, möglicherweise bedingt durch einen fehlenden bzw. nur rudimentär ausgeprägten Technikunterricht an vielen Gymnasien. Das curricular verankerte und bis Ende des 4. Semesters nachzuweisende Grundpraktikum, welches technische Fähigkeiten entwickeln und einen Einblick in die Betriebsabläufe geben soll, wird häufig - entgegen der Empfehlung - erst sehr spät im Studienablauf realisiert und kann deshalb die gestellten Erwartungen nicht bzw. nur teilweise erfüllen. Gerade aber dieses Grundverständnis ist die Basis für ein erfolgreiches universitäres Studium in diesen Disziplinen.

Auch aus diesen Gründen übersteigt die Zahl der Studiengangwechsler oder derer, die das Studium abbrechen, leider die von der Fakultät als vertretbar erscheinende Anzahl.

Mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) startete die FMB 2015 das Kooperationsprojekt „Maschinenhaus – Campus für Ingenieure“. Ziel des Projektes war eine Bestandsaufnahme zur Studienqualität unter Berücksichtigung hochschul-individueller Rahmenbedingungen. Über eine multiperspektivische Erhebung (Studierende – Lehrende – Vertreter aus Wirtschaft und Industrie) konnten den Studienerfolg begünstigende Faktoren sowie auch Indikatoren für einen möglichen Studienabbruch bestimmt werden.

Die Lehrenden der FMB schätzten ein, dass, bedingt durch ein sehr junges Studieneintrittsalter, schlechte Vorkenntnisse aus der schulischen Bildung oder eine fehlende technische Ausbildung in der Schule sowie ein geringes technisches Verständnis und Vorstellungsvermögen vermehrt eine mangelhafte (Fach-) Studienreife in der Phase des Studienstarts festzustellen ist. Extrinsische Motive zur Studienentscheidung, Erwartungsdivergenzen und ein zu geringes Engagement führen zu einer nicht genügenden Studienmotivation schon zu Beginn des Studiums.

Der erhöhte Freiheitsgrad, den der Beginn eines Studiums gegenüber einem Schulbesuch mit sich bringt, eine fehlende Selbstständigkeit in den ersten Fach-Semestern sowie eine Nichtteilnahme an Lehrveranstaltungen, gekoppelt mit den wachsenden Leistungsanforderungen im Studium können hohe bis sehr hohe Studienanforderungen erzeugen, denen die Studierenden sich stellen müssen und denen sie oftmals nicht gewachsen sind. Folge davon sind mangelhafte Studienleistungen, die einen Studiengangswechsel oder gar Studienabbruch initiieren. Belastungen aus dem privaten Umfeld oder die fehlende Finanzierung können zu Abbrüchen aus finanziellen oder rein privaten Gründen führen.

Die Studierendenvertreter analysierten, dass Leistungsstress infolge des Schiebens von Prüfungen und des oftmals nicht vorhandenen bzw. mangelhaft ausgeprägten Vermögens, gleichzeitig zuhören und mitschreiben zu können, starke, den Studienerfolg beeinträchtigende Faktoren seien. Außerdem sei das Studium zu abstrakt und wenig praxisorientiert, wobei den Studierenden die Spezifika eines universitären Hochschulstudiums wohl bekannt sind. Sie konstatierten, dass Lehrkonzepte oftmals nicht an die Lehrziele von Modulen heranführen und die eigene Befähigung zum Selbstlernen fehlt bzw. nicht vermittelt wird.

In mehreren Workshops und Gesprächsrunden diskutierten die Studierendenvertreter, die Studiengangsverantwortlichen, der Dekan und Studiendekan, die Studiengangsleiter, die Qualitätsmanagementbeauftragten, Lehrende der Fakultät und Vertreter der Hochschulleitung gemeinsam mit dem VDMA und Vertretern der regionalen Wirtschaft über konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Studienqualität, die mit realistischem Aufwand umgesetzt werden können. Die durch die Beteiligten herausgearbeiteten erfolgsversprechenden Maßnahmen zur Förderung des Studienerfolgs unterscheiden sich entsprechend der verschiedenen Phasen des studentischen Lebenszyklus. Der zu legende Fokus gilt vorrangig dem Schaffen eines technisch-mathematischen Verständnisses und Vorstellungsvermögens sowie einer bessere Identifikation der Studierenden mit ihrer Studienrichtung, da diesbezügliche Maßnahmen schon frühzeitig in die Studieneingangsphase zu integrieren sind und daher ein nachhaltiges Wirken erhoffen lassen. Im Ergebnis der VDMA-Initiative wurden drei unterschiedliche Gestaltungsformen herausgearbeitet, wobei sich die FMB auf die Ausarbeitung von Projektaktivitäten in der Einführungswoche verständigte.

Die FMB entwickelte mit dem TripleM: Magdeburger Mathematik- und Maschinen-Camp einen 3-wöchigen universitären (Vor-) Kurs zur Stärkung des mathematisch-technischen Verständnisses junger Abiturienten und Abiturientinnen, der von Studienbeginn an auf das ingenieur- und naturwissenschaftliche Studium orientiert, den Übergang sowie den Einstieg in die akademischen Fachkulturen an der Universität begleitet und erleichtert und somit den Studierenden einen erfolgreichen Studienstart ermöglicht. Ende des Sommersemesters wurde erstmalig das mit dem Lehrpreis 2016 der OVGU ausgezeichnete Konzept zur Verbesserung der Studieneingangsphase umgesetzt, TripleM ging mit 42 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 5 Studiengängen an den Start. Neben Studierenden der Studiengänge Maschinenbau und Wirtschaftsingenieur Maschinenbau wurden angehende Studentinnen und Studenten der Studiengänge Wirtschaftsingenieur Logistik, Mechatronik und der Ingenieurinformatik erreicht.

In der ersten Woche des Vorkurses wurde der mathematische Grundkurs flankiert durch die Veranstaltungen „Wie studiere ich richtig?“ oder „Wie wird recherchiert, die Arbeit in der Bibliothek“. Den mathematischen Aufbaukurs – „Fit für die Technische Mechanik“ - begleiteten neben einem Besuch des Technikmuseums, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Wurzeln des Magdeburger Maschinenbaus führte, verschiedene Experimente in den modernen und zukunftsorientierten Forschungsfeldern der verschiedenen Fachbereiche der FMB und spannte damit auch den facettenreichen Rahmen dieser Studienrichtung auf. Berufliche Einsatzfelder als erfolgreicher Absolvent oder erfolgreiche Absolventin zeigte sehr aufschlussreich ein Besuch der MTU Reman Technologies GmbH in Magdeburg auf und erzeugte damit ein klareres Bild vom Ingenieursein.

Neben diesen Technik-erleben-Projekten stand das eigene Aktivsein der Studierenden im Mittelpunkt des Maschinencamps. Die ersten Baugruppen-Skizzen zu selbst demontierten CD-Laufwerken oder Moped-Getrieben entsprachen natürlich noch nicht den Erwartungen, reflektierten jedoch den Versuch, unbekannte Bauteile darzustellen und nach ihrer Funktionalität technischen Baugruppen zuzuordnen. Herzstück des Maschinencamps bildete das Projekt Baukasten. Die Projektteams bekamen die Aufgabe, gemäß einer vorgegebenen Zielfunktion aus zu hebender Last, Auslegerlänge und Turmhöhe ein Hebezeug zu bauen. Dazu standen pro Projektgruppe eine limitierte Anzahl an Bauteilen eines Metallbaukastens (Kostenlimitierung) und drei Stunden Bauzeit zur Verfügung. Jede Projektgruppe präsentierte ihr Ergebnis, stellte sich der Güte-Ermittlung der Zielfunktion und erläuterte die Beweggründe der jeweiligen Bauausführung. Die drei Sieger erwartete eine Prämierung. Den Abschluss bildete das Treffen der Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer mit Vertreterinnen und Vertretern des Lehrkörpers der FMB in einer lockeren Atmosphäre mit Gegrilltem und Getränken. Mit der feierlichen Immatrikulation wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Kreis der Studierenden an unserer OVGU aufgenommen.

Die Ausgestalter und Initiatoren von TripleM interessierten sich natürlich auch für die Wirksamkeit und die Zielerreichung des neuen Konzepts der Studieneingangsphase. Über eine Befragung der teilnehmenden Studierenden konnte ermittelt werden, dass sie sich für den Studienstart besser vorbereitet fühlten und durch die durchgeführten Projekte in ihrem technischen Vorstellungsvermögen gestärkt sehen. Besonders konnten sie über das spätere Berufsfeld klarere Vorstellungen gewinnen und somit auch ein besseres Grundverständnis und eine Identifikation mit der gewählten Studienrichtung entwickeln. Hervorgehoben wurden die zwanglose Teilnahme und das Nichtbewerten von erbrachten Leistungen. Gerade hierbei sehen die Initiatoren noch Handlungsspielraum, da über eine Wissensampel den Studierenden signalisiert werden könnte, wo noch Handlungsbedarf besteht. Ob das ausgestaltete Konzept nachhaltig zu einer Minderung der Zahl aufgeschobener Leistungsnachweise in den Grundlagenmodulen, einer Minderung resultierender Studiengangswechsel oder der Studienabbrüche führt, lässt sich erst nach einer möglichen Kohorten-Verfolgung ermitteln. Verbesserungspotential liegt im Marketing des Kurses sowie der noch besser auszugestaltenden Verzahnung von Theorie und Praxis in der Technischen Mechanik. Die FMB ist mit der Resonanz von TripleM zufrieden und sieht sich in ihrem Ziel der Weiterführung des Vorkurses gestärkt. Und nicht zuletzt ist die FMB stolz, sich zu den Transferfakultäten des VDMA zählen zu dürfen.

Auf ein Neues - TripleM 2017!

 

Kontakt
Fakultät für Maschinenbau
Arnhild Gerecke, Dr. Steffen Wengler

 

arnhild.gerecke@ovgu.de                                 0391-67 52619

steffen.wengler@ovgu.de                                 0391-67 52820

Letzte Änderung: 30.07.2018 - Ansprechpartner: M.A. Anni Holzäpfel (vormals Fischer)