Anwendungsbezogene Hochschulforschung zu Studienerfolg und Studienabbruch an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg

Fokus: LEHRE ist Teil des Verbundvorhabens sachsen-anhaltinischer Hochschulen HET LSA („Heterogenität als Qualitätsherausforderung für Lehre und Studium“), die gemeinsam Lösungen für die Zukunftsfragen zur Hochschulentwicklung erarbeiten. Im Vordergrund steht die Qualität von Lehre und Studium. Wir nehmen die steigende Diversität der Studierendenschaft in den Blick, die beispielsweise hinsichtlich der Altersstruktur oder ihrer Vorerfahrungen zunehmend heterogen zusammengesetzt ist. Daraus ergeben sich vielfältige Aufgaben für die Weiterentwicklung von Lehre und Studium und für die Betreuung der Studierenden. 

Das Team von fokus: LEHRE führt Forschungsprojekte durch, die die Bedingungsfaktoren eines erfolgreichen Studiums zum Gegenstand haben und sich mit der Wirkung der Einführung neuer Lehr- und Lernformate auf den Lernerfolg beschäftigen. Mit dieser Begleitforschung wollen wir die Lehrenden der Universität darin unterstützen, neue Wege in der Lehre auszuprobieren und auf die neuen Anforderungen zu reagieren. Gemeinsam mit den Hochschulen des Landes und den Teilprojekten des Verbundes HET-LSA wollen wir eine Infrastruktur aufbauen, die die Diskussion über Weiterentwicklungsmöglichkeiten in Lehre und Studium fördert und eine Anlaufstelle für Lehrende und Studierende darstellt. Im Folgenden werden verschiedene Aktivitäten vorgestellt.

Das Studierendenpanel an der OVGU: Studentische Sichtweisen im Zeitverlauf

Beschreibung des Projekts

Das Studierendenpanel der OVGU befragt die Studierenden der Universität zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Studienverlaufs. Dabei werden u.a. die Erwartungen und Bedarfe, der Studienalltag, die Lernstile und Lernwege sowie die Bildungserträge in den Blick genommen. Durch das quasi experimentelle Design des Studierendenpanels können beispielsweise die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen hochschulischer Qualitätsentwicklung untersucht werden. Gleichzeitig ist es möglich, begünstigende Faktoren des Studienerfolgs bzw. Risikofaktoren des Studienabbruchs zu identifizieren und daraus Interventionsmaßnahmen abzuleiten. Besondere Berücksichtigung finden in den Analysen manifeste und latente Heterogenitätskriterien.

Vorgehen/Durchführung

Das Studierendenpanel befindet sich an der OVGU seit dem Wintersemester 2014/2015 im Aufbau. Die Studierenden werden zu Beginn ihres Studiums (1. Welle), zum Ende des ersten Studienjahres (2. Welle), zum Ende des zweiten Studienjahres (3. Welle) sowie zum Studienabschluss (4. Welle) mittels einer teilstandardisierten Online-Umfrage um ihre Einschätzungen gebeten. Bislang wurden drei Startkohorten in die Untersuchungen einbezogen (WS 2014/2015, WS 2015/2016 WS 2016/2017). Die Befragungen werden mittels der Panel-Software QUAMP von Sociolutions durch das Team von fokus: LEHRE in enger Abstimmung mit verschiedenen Akteur/inn/en der Universität realisiert.

Verwendung der Ergebnisse

Das Studierendenpanel liefert Ergebnisse, die auf verschiedenen Ebenen Verwertung finden können. Dazu zählen:

  • Studierendenmarketing/Öffentlichkeitsarbeit: Durch detaillierte Informationen zur Studienentscheidung, insbesondere zu den Informationskanälen und Motiven der Studienfach- sowie Universitätswahl können die entsprechenden Stellen bedarfsgerechter informieren und beraten. Als Informationsgrundlage wurden bereits für die vergangenen zwei Wintersemester spezielle Berichte erstellt.
  • Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre auf Universitätsebene sowie auf Ebene der Fakultäten: Durch das Untersuchungsdesign können Effekte im Längsschnitt, wie etwa die Auswirkungen von universitätsweiten Maßnahmen der Studieneingangsphase (Mathematik-Vorkurse, Mentoring usw.) untersucht werden. Doch auch fakultätsinterne Prozesse, wie z.B. die Weiterentwicklung von Studiengängen, können mittels des Studierendenpanels unterstützt werden. Aktuell werden dazu Fakultätsreporte erarbeitet.
  • Spezifische Fragestellungen der Hochschulforschung im Längsschnitt: Untersucht wird beispielsweise der Einfluss von Heterogenitätskriterien auf die Motive der Studienfachwahl sowie deren Veränderlichkeit im Studienverlauf. Es zeigt sich, dass neben manifesten Kriterien, wie dem Geschlecht, auch latente Faktoren von Bedeutung sind. Insbesondere sind hier die Big-5-Persönlichkeitstypen zu nennen (vgl. Anacker 2016). Dabei erweisen sich etwa Erwartungen an einen sicheren Arbeitsplatz (Bildungsrendite) als zeitlich relativ stabil, während die Erwartung, später in eine Führungsposition zu gelangen, im Studienverlauf vergleichsweise stärker veränderlich ist. Für detailliertere Ergebnisse zu den Erwartungshaltungen der Studierenden zu Studienbeginn sowie deren Implikationen für die Gestaltung der Studieneingangsphase vgl. Wendt/Rathmann/Pohlenz (2016) sowie Berndt/Rathmann (2017).

Verweise auf Publikationen/Ergebnisse

  • Anacker, Judit (2016): Die Studienfachwahlmotivation im Kontext manifester und latenter Heterogenitätsfaktoren. Eine quantitativ-empirische Untersuchung, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (unveröffentlichte Masterarbeit).
  • Berndt, Sarah/Rathmann, Annika (2017): Studienabbruch- und Wechselneigung in der Studieneingangsphase. Eine Analyse auf Grundlage des Studierendenpanels der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, in: Magdeburger Beiträge zur Hochschulforschung; Sonderausgabe zur ZSM-Tagung 2016 (in Vorbereitung).
  • Wendt, Claudia/Rathmann, Annika/Pohlenz, Philipp (2016): Erwartungshaltungen Studierender im ersten Semester: Implikationen für die Studieneingangsphase, in: Brahm, Taiga/Jenert, Tobias/Euler, Dieter (Hrsg.): Pädagogische Hochschulentwicklung. Von der Programmatik zum Implementierung. Springer VS Verlag, Wiesbaden, S. 221-237.

Analyse des Studienabbruchs an der OVGU

Beschreibung des Projekts

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg verfolgt – wie Hochschulen deutschlandweit – das Ziel, den Studienerfolg langfristig zu erhöhen und somit dem Phänomen des Studienabbruchs zu begegnen. Im Rahmen des Projekts wird dieses Phänomen analysiert und im Zuge einer ganzheitlichen Betrachtung des Studienabbruchprozesses datenbasiert erforscht.

Vorgehen/Durchführung

Ein wesentlicher Aspekt zur Ergründung des Studienabbruchs und zur Weiterentwicklung von Studiengängen an der OVGU ist die kontinuierliche Betrachtung bereits vorhandener Daten. Deswegen wurde in Zusammenarbeit mit dem Sachgebiet Qualitätssicherung (Dezernat Studienangelegenheiten) der OVGU ein Konzept für jährliche Fakultätsreporte entwickelt. Zurzeit wird dieses Konzept an einer Fakultät der OVGU pilothaft getestet. Das Konzept sieht vor, anhand eines standardisierten, jährlichen Berichts den Fakultäten Informationen über ihre Studierenden und deren Studierverhalten zu übermitteln. Die Datengrundlage bilden einerseits aufbereitete hochschulstatistische Daten sowie Ergebnisse aus dem fokus: LEHRE-Studierendenpanel. Anhand dieser Daten soll den Fakultäten eine Einsicht in die Zusammensetzung der Studierenden in den jeweiligen Studiengängen gegeben werden: Wie viele Studierende beenden ein Studium erfolgreich, wie viele verlassen die Hochschule oder die Fakultät ohne Abschluss? Wie unterscheiden sich die Prüfungsleistungen dieser Gruppen? Wie viele Prüfungen werden im Semester abgelegt? Entspricht dies der im Curriculum vorgesehenen Menge? Wie beurteilen die Studierenden ihr Studium an der OVGU? Welche Beratungsmöglichkeiten nutzen sie? Welche Voraussetzungen bringen die Studierenden für ein Studium an der OVGU mit?

Verwendung der Ergebnisse

Die Ergebnisse können konkrete Anhaltspunkte für die Diskussion über Studiengänge sowie weitere Analysen auf Studiengangebene bieten. Detailliertere Analysen können bspw. in Form einer Betrachtung von Studienverläufen einer Anfangskohorte umgesetzt werden. Insbesondere die Betrachtung von geleisteten Prüfungsergebnissen im Studienverlauf sowie Entwicklungen bis zur vorzeitigen Beendigung bzw. des erfolgreichen Absolvierens des Studiums im Zeitverlauf sind bei der Weiterentwicklung von Studiengängen hilfreich. Es können somit konkrete Fragen zu Entwicklungsproblemen auf der Ebene von Studiengängen beantwortet und Problemstellen im Curriculum und im Studienverlauf der Studierenden aufgedeckt werden. Darauf aufbauend können konkrete Maßnahmen zur Erhöhung des Studienerfolgs bzw. Verringerung des Studienabbruchs entwickelt werden.

Neben der Analyse hochschulstatistischer Daten werden im Rahmen des Projekts weitere Datenquellen hinzugezogen. Die OVGU nimmt an verschiedenen bundesweiten Studien teil und erhält die hochschulspezifischen Daten (z.B. Absolventen- und Exmatrikuliertenbefragung des DZHW, Befragungen des CHE) für eigene Analysen. Außerdem führt fokus: LEHRE eine eigene Befragung der Studierenden durch (Studierendenpanel). Diese sekundäranalytischen Daten werden im Rahmen des Projekts im Hinblick auf die Thematik Studienabbruch ausgewertet. Die Ergebnisse dienen dem Verständnis des Phänomens Studienabbruch und helfen, neben den harten Aspekten der hochschulstatistischen Daten auch eine subjektive Perspektive der Studierenden mit einzubeziehen und somit Maßnahmen konkreter zu gestalten.

Das Projekt untersteht dem Ziel einer anwendungsbezogenen Hochschulforschung zum Thema Studienabbruch, indem es der Qualitätssicherung und -entwicklung von Studium und Lehre an der OVGU dient und gleichzeitig dem Anspruch einer grundlagenorientierten Forschung gerecht wird.

 

Kontakt
Fokus:Lehre
Maria Grabmann, Anke Manukjan, Annika Rathmann
 
maria.grabmann@ovgu.de                               0391-67 54872
anke.manukjan@ovgu.de                                 0931-67 54874
annika.rathmann@ovgu.de                             

Letzte Änderung: 30.07.2018 - Ansprechpartner: M.A. Anni Holzäpfel (vormals Fischer)